In meinem vorangegangenen Blog-Beitrag erklärte ich, welche Bedeutung Untertitel in der heutigen Zeit der Globalisierung und des Internets haben.
Untertitel erfüllen im Grunde zwei Funktionen:
Zur Erinnerung: Bei audiovisuellen Inhalten handelt es sich um Medien, die sowohl Ton und Bild enthalten. Dazu gehören Filme, Serien, Dokumentationen, kurzum: Videos aller Art, sowie Videospiele.
In Deutschland werden im Kino und Fernsehen die meisten fremdsprachigen Filme mit deutscher Synchronisation gezeigt, das heißt, die Dialoge wurden von Synchronsprecher:innen neu auf Deutsch eingesprochen.
Im Internet und auf Streamingplattformen wie Netflix werden neben der Synchronisation aber auch häufig Untertitel angeboten. Nutzer:innen haben also die Möglichkeit, die Sendungen mit der Originaltonspur anzuschauen und durch den Untertitel in ihrer Muttersprache zu folgen. Besonders die junge Generation nutzt diese Option häufig. Auch kleinere Produktionen, für die es keine Synchronisation gibt, erreichen dadurch ein internationales Publikum.
Im Folgenden erklärte ich Schritt für Schritt, wie ich bei der Untertitelung eines Videos vorgehe.
Als professionelle Übersetzerin arbeite ich mit einer speziellen Software für die Untertitelung eines Videos.
So sieht die Oberfläche meines Programms aus:
Als erstes muss ich mir natürlich das Video anschauen, um ein Gefühl für die Inhalte, die Sprecher:innen und deren Sprachrhythmus zu gewinnen.
Die Oberfläche sieht ziemlich voll aus. Jetzt möchte ich erklären, was man dort genau sieht und wie man mit den einzelnen Elementen arbeitet, um die Untertitel zu erstellen.
Ganz unten sieht man das Wellendiagramm:
Das Wellendiagramm ist eine visuelle Darstellung des Tons. Anhand des Ausschlags kann ich zum Beispiel erkennen, wann ein Sprecherwechsel stattfindet. Hier erstelle ich auch ein sogenanntes Untertitel-Event. Ich füge den Untertitel ein und bestimme, wie lang dieser eingeblendet werden soll. Das nennt sich "Spotting".
Als nächstes höre ich mir nochmal den Dialog an und schreibe dann die Übersetzung direkt ins Textfeld:
Die roten Markierungen weisen mich auf mögliche Fehler hin. Zum Beispiel wenn eine Zeile zu lang ist oder ein Untertitel zu viele Zeichen enthält. Hier gibt es Richtlinien und Vorgaben, die sicherstellen sollen, dass der Untertitel lesbar ist. Denn enthält ein Untertitel zu viele Zeichen oder ist er nicht lang genug eingeblendet, hat der/die Zuschauer:in nicht ausreichend Zeit, den Text zu lesen. Das bedeutet, dass ich beim Untertiteln auch Kürzungen vornehmen oder den Satzbau anpassen muss, damit ich diese Vorgaben einhalten kann. Denn wenn der Untertitel nicht gelesen werden kann, ist er "für die Katz'", wie man so schön sagt.
Das Ergebnis meines Untertitels kann ich in der Videovorschau überprüfen:
Wenn das ganze Video untertitelt ist und ich auch alle Fehler behoben sowie die Rechtschreibung geprüft habe, kann das Video erstellt werden. Entweder generiere ich eine handelsübliche Datei in einem mp4-Format oder ähnliches, oder die Untertitel werden online hochgeladen, in diesem Fall auf YouTube.
Auf YouTube kann der/die Nutzer:in dann mit dem gewohnten Feature die Untertitel ein- und ausschalten. Wenn "auto-generated" dabei steht, sollte der Untertitel mit Vorsicht genossen werden, denn hierbei handelt es sich um einen automatisch generierten Untertitel, der nicht sehr nutzerfreundlich ist und Fehler enthält. Das gleiche gilt für automatische Übersetzungen. Ist keine weitere Anmerkung neben der Sprache, wie in unten stehendem Screenshot bei "Deutsch", bedeutet das, dass ein Mensch, im Idealfall ein:e professionelle:r Übersetzer:in, die Untertitel erstellt hat und diese den Richtlinien für verständliche, nutzerfreundliche Untertitel entsprechen.
Et voilà!
Viel Spaß beim Schauen 😊
Das ganze Video finden Sie unter diesem Link: Meat eaters try to convince vegan that what he’s doing is POINTLESS.
Wenn Sie nun neugierig geworden sind oder selbst ein Untertitel-Projekt in Erwägung ziehen, würde ich mich freuen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Zögern Sie nicht, micht zu kontaktieren!
4. April 2025
Über die Autorin
Laura Bischoff ist als freiberufliche Konferenzdolmetscherin in Aachen mit den Sprachen Deutsch (A), Englisch (B), Französisch (C) und Spanisch (C) tätig. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie in der Abteilung für Terminologie in der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission. Das Studium absolvierte sie in Brüssel und Köln.
Als professioneller Dolmetscher in Aachen unterstütze ich Sie bei der erfolgreichen Planung und Durchführung Ihrer mehrsprachigen Events.
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© Laura Bischoff, 2024